Udos Sci-Fi Blog

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Lange habe ich mit mir gekämpft. Heftig, sehr heftig sogar. Und am Ende habe ich wohl sogar gewonnen. Wie es scheint.

Um was es dabei ging? Nun, um nicht weniger als um ein Prinzip. Und dass Prinzipien letztlich dazu da sind, um eingehalten zu werden, wissen wir ja alle. Manche allerdings behaupten, sie müssten das nicht um jeden Preis. Eingehalten werden, meine ich.

So auch eine anfangs sehr zarte Stimme in meinem Kopf, die mir beizubringen suchte, dass ich das mit den Prinzipien des DIRECT STORYTELLINGs vielleicht doch etwas zu ernst nähme. Und solange das Stimmchen zart und leise war, gelang es mir hervorragend, es einfach zu ignorieren.

Mit der Zeit aber wurde aus dem Stimmchen eine richtige Stimme, die man nicht mehr so ohne Weiteres überhören konnte. Da musste man sich schon etwas anstrengen. Zu sehr anstrengen auf Dauer. Weshalb ich dann in Disput mit mir ging, um die Sache ein für alle Mal zu klären.

Was mir hoffentlich jetzt auch gelungen ist.

Um was also ging es im Detail?

Nun, wie wir ja alle wissen (zumindest jene, die sich mit meinen Erklärungen zu meiner speziellen Schreibtechnik des DIRECT STORYTELLINGs ernsthaft befasst haben), ist eines der Hauptprinzipien dieser Technik, dass die Handlung spontan aus der jeweiligen Situation und den Eigenschaften der am Geschehen beteiligten Personen heraus entsteht. Das Manuskript ist dadurch quasi fast eine Art Protokoll der eigendynamisch entstehenden Handlung. Gefärbt nur durch die Eigenart der Ausdrucksweise des mitschreibenden Autors.

Zwar geht das fertige Manuskript durch die Hände eines Korrektorats wie auch eines Lektorats – aber lediglich, um Schreibfehler auszumerzen und die Form des Erzählvortrags zu optimieren. Inhalte zu verändern oder Teile der Story zu entfernen oder zu ergänzen, ist streng tabu. Weil dadurch ja die Authentizität des Inhalts verändert werden würde …

Nun gibt es da allerdings eine Erzählung von mir, die ein schweres Schicksal hat und daran von Anbeginn an schwer zu tragen hatte.

Nachdem ich die drei Bände der ANSELMO TRILOGIE fertig hatte – was ja extrem lange gedauert hatte, weil ich immer nur sporadisch zum Schreiben kam – war ich derart in der Vorstellung verhaftet, alles müsse immer auch weiterhin so locker mit dem Anselmo-Thema verwoben sein, wie das bisher der Fall gewesen war. Und so entstand »Wanderer zwischen den Welten« als 4. Teil der ANSELMO TRILOGIE. Was von Anfang an falsch war.

Das eigentliche Thema der Erzählung ist die Geschichte der angeblich als Sexpuppe konzipierten Androidin Ginger, die sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Sinnbild einer »Neuen Natürlichkeit« entwickelt und damit massiv auf die extrem konsumorientierte und materialistische Gesellschaft Einfluss nimmt. Um dieser Story aber eine Brücke zu der bestehenden Trilogie zu schlagen, hat der Protagonist Jonathan Simpson zu Beginn der Story ein Déjà-vu an einem Ort, der im 3. Teil der Trilogie eine wichtige Rolle gespielt hatte.

Diese Brücke stellt sich im Laufe der Geschichte als extrem sperrig und unbrauchbar heraus. Denn nie will jemand über diese Brücke gehen oder sich ihr wenigstens nähern.

Umbenennung in „Das Ginger-Komplott“

Da sich zudem der Titel »Wanderer zwischen den Welten« als nicht sonderlich verkaufsfördernd erwies, nannte ich das Werk kurzerhand in »Das GINGER-Komplott« um. Damit hatte ich zwar wenigstens einen deutlich stärkeren Bezug zur eigentlichen Handlung geschaffen, was sich auch umgehend bei den Verkaufszahlen bemerkbar machte. Dummerweise aber war da noch immer diese unpassierbare Brücke zur ANSELMO TRILOGIE, die keiner brauchte und die jeden verwirren musste. Denn sie hatte ja nicht den geringsten Bezug zur eigentlichen Handlung …

In all den Jahren war mir das zwar bewusst. Das Prinzip der Unveränderbarkeit eines DIRECT STORYTELLING-Manuskripts allerdings verhinderte die ganze Zeit, dass ich hier tätig werden konnte.

Bis mich diese innere Stimme klipp und klar fragte, ob ich eigentlich noch bei Trost sei. Da hatte ich schließlich ein Einsehen und entschloss mich – auch auf die Gefahr hin, ein Sakrileg zu begehen – meinen Prinzipien in diesem speziellen Fall untreu zu werden. Und so habe ich dieser Tage mich mit großer Lust dem Manuskript des GINGER-Komplotts gewidmet – und die gesamte sperrige Brücke zur ANSELMO TRILOGIE abgerissen, wie auch jede Spur davon verwischt.

Das Ergebnis begeistert mich.

Das Ginger Komplott | Romane | Jonathan Simpson | Udo Kübler

Endlich kann sich die eigentliche Geschichte in ihrer ganzen Strahlkraft als Dystopie entfalten. Die gesellschaftlichen Strukturen kommen endlich wirklich zur Geltung. Gleiches gilt für bestimmte Personengruppen, wie die der Hippies oder Berufsgruppen, wie die der Fake-Manager werden ins Licht geholt – wo sie auch hingehören.

Und während sich der Leser zuvor einfach fragen musste, was ihm diese Story denn am Ende erzählen will, hat er nunmehr höchstens große Lust mehr von dieser erstaunlichen Androidin GINGER zu erfahren. Vielleicht sogar herauszufinden, ob sie ursprünglich eigentlich eher ein Irrtum oder Versehen war. Oder ob tatsächlich ein übergeordneter Plan dafür sorgte, dass sie bei Jonathan Simpson landete – und von dort aus zu dem wurde was sie war: ein Sinnbild einer Neuen Natürlichkeit und Vorbild für eine ganze Welt …

Wann kommt die neue Ginger?

Ich hoffe mit der Überarbeitung dieses Werks noch im Juli so weit fertig zu sein, dass es mir gelingt es August / September des Jahres zu veröffentlichen. Über den Fortgang und die Fertigstellung dieser Arbeit werde ich selbstverständlich berichten …

Sollten Sie Ihre ganz eigene Meinung zu diesem Thema haben, freue ich mich selbstverständlich einmal mehr über jeden Kommentar oder jede Mail von Ihnen …

Herzlichst Ihr

Udo Kübler

Kommentare(3)

    • Ignaz Naegele

    • 3 Jahren ago

    Der alte Mann hat da eine richtig gute Idee – Du weisst ja wie sehr ich als Entität auf die Kleine stehe – der Plarz für Ginger2 ist schon freigeräumt (genau neben orginal Ginger)

      • Udo Kübler

      • 3 Jahren ago

      Du weißt natürlich, dass ich das alles vor allem für dich mache, Ignaz? Okay, vielleicht nicht nur – aber eben doch vor allem …😉😇😎

    • Elsa Rieger

    • 3 Jahren ago

    Das ist eine Bombenidee, daraus eine eigenständige Sache zu machen!

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