Eine Sexpuppe als Inbegriff einer ›neuen Natürlichkeit‹?

» Der Gang, wie sie die Treppe hoch ging, war perfekt. Oh Gott, nie und nimmer war das eine Puppe! «

Das Ginger Komplott| Jonathan Simpson | Udo Kübler

» Gelobt sei der große Gott, der uns das heilige Geld gab …! «

JONATHAN SIMPSON in der ultimativen Material World, in der du nie sicher bist, ob das was du siehst auch wirklich existiert. In der Geld & Macht ALLES und der Mensch NICHTS ist. Eine Welt, in der GINGER, die androide Sexpuppe der PLAYBOY Men’s Toys & Tools Inc., zum Sinnbild einer ›Neuen Natürlichkeit‹ avanciert, seine amerikanische Katholigkeit George W. VII., der Erzbischof von New Mexico, auf Mallorca für junge Männer deren Geschäftsreife zelebriert, Fake-Manager dafür sorgen, dass Celebrities unsterblich werden und du es geschafft hast, wenn du an der Börse gehandelt wirst.

Es ist der Vorabend der Apokalypse.Bis Zeus persönlich kommt und aufräumt, in diesem Saustall …

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Obwohl die Saison noch nicht begonnen hatte, war in der Bucht von Pollença schon recht viel los. Besonders die Deltasegler waren sehr aktiv und ließen sich von den Ausläufern der Tramuntana aus über die Bucht katapultieren, auf der die ersten WaterCross-Maschinen ihr plärrendes Unwesen trieben. Wie immer waren auch Horden von Flash-Surfern unterwegs, die sich bereits mit dem einen oder anderen Mikado-Segler auseinandersetzen mussten. Jonathan sah mindestens ein halbes Dutzend der ultraleichten Schnellsegler durch die Bucht räubern. Selbst mit den neumodischen Water-Skates waren schon ein paar Angeber unterwegs. Zwei davon hatten die Technik einigermaßen drauf – wenn auch noch nicht perfekt –, die anderen waren kurz vor dem Ertrinken.Jonathan konnte mit all den hyperaktiven Wassersportarten wenig anfangen. Offensichtlich fehlte ihm der dazu notwendige Hang zum Exhibitionismus. Oder ihm fehlte der unstillbare Wunsch, im Rhythmus womit auch immer zu sein, dessen Höhepunkt auch einmal ein exorbitanter Samenerguss auf offener See sein konnte, wie man sich erzählte. Bei Frauen natürlich nicht. Hier kam es vermehrt zu derart heftigen Orgasmen, dass manche vorübergehend das Bewusstsein verloren, und dadurch in beträchtliche Notsituationen auf See kommen konnten. Jonathan neigte allerdings zu der Sichtweise, dass die Damen aus konditionellen Gründen in Ohnmacht fielen – was er durchaus verstehen konnte. Und was den Samenerguss der Männer in solchen Fällen anging, so sah er eher einen Zusammenhang zwischen dem sogenannten Orgasmus der Sportler und dem nachweislichen Samenerguss bei frisch exekutierten Männern. In besonders grimmigen Momenten sah er sogar einen Zusammenhang zur »Angstblüte« sterbender Pflanzen: Alles war ein letzter, verzweifelter Versuch der Arterhaltung – im Angesicht des sicheren Todes. Und die Sterblichkeitsrate bei den hyperaktiven Wassersportarten war auch tatsächlich nicht unbeträchtlich. Was der Sache zusätzlichen Schwung verlieh.

Seit langer Zeit einmal wieder unglaublich glücklich zu sein, war eine Sache. Und festzustellen, dass man mit einer reichlich anzüglich gekleideten Sexmaschine am helllichten Tag im Flur bei der Haustür stand, eine andere. Sie musste unbedingt aus dem Sichtfeld verschwinden. Die Frage war nur, wohin? In irgendeinen Schrank vielleicht? Vorausgesetzt, in einem Schrank wäre Platz für sie gewesen. Wie sah das denn aus? Klar, sagte sich Jonathan, sie war eine Puppe. Aber man sah es ihr in keiner Weise an. Sie war ein Bild von einer Frau! Wer stellt denn so etwas in einen Schrank?Was aber dann? Sie einfach irgendwo hinsetzen? Nun ja, immer noch besser als der Schrank. Er sah sich vor seinem geistigen Auge mit Mónica das Schlafzimmer betreten:»Huuuch! Jonathan, um Gottes Willen, da sitzt eine Frau in unglaublich aufreizender Wäsche neben deinem Bett!«»Ach, beachte sie einfach nicht, Schatz. Das ist nur GINGER, meine Sexpuppe.«Ein Tritt in den Schritt und ein gut platzierter rechter Haken wäre das Mindeste, was dann folgen würde.Das Beste war, er rief umgehend den Paketdienst an und ließ sie wieder abholen. Unsinn, das konnte er auch noch machen, wenn ihm nichts Besseres einfallen würde. Aha, und wann würde ihm jemals etwas Besseres einfallen? Abwarten. Kommt Zeit, kommt Rat. Und die ganze Zeit über stolpert man über dieses Lächeln, versinkt in den strahlend grünen Augen und fällt in das tiefe Dekolleté!Sie musste erst mal hier weg. Am besten nach oben. Mitsamt dem ganzen Paketzeug.»Pass auf, Baby. Du musst hier weg. Hier die Treppe hoch. Meinst du, das kannst du schaffen?« Er sah ihr einmal mehr tief in die Augen. Schon, um nicht an ihrem Ausschnitt hängen zu bleiben.»Aber ja, Jonathan«, sagte ihre brüchige Stimme. Und schon ging sie die Treppen hinauf.Jonathan sah ihr fasziniert nach. Von hinten sah sie mindestens so verboten aus wie von vorne. Auch gefiel ihm ihr Gang sofort. Wie sie mit langsamen, weit ausholenden Schritten und wiegenden Hüften zur Treppe und diese dann ruhig und körperbetont hinaufging, war pure Erotik. Oh Gott, nie und nimmer war das eine Puppe!

… Aus unerfindlichen Gründen schrak Jonathan zusammen, als habe er weiß Gott was angestellt, drehte leicht den Kopf nach hinten – und blickte in das grinsende Gesicht des Hippies mit dem lächerlichen Hut, den er vor – wie es ihm schien – einer halben Ewigkeit genau hier das erste Mal gesehen hatte.Wenn ihm je bewusst gewesen war, dass er eine gewisse Popularität erlangt hatte, so war es genau in diesem Augenblick. Im selben Moment war ihm jedoch restlos klar, wie lächerlich und unsinnig die Kausalität seiner Prominenz im Zusammenhang mit gerade diesem seltsamen Mann war. Gleichzeitig konnte er sich aber eines gewissen Gefühls des Geehrtseins nicht erwehren. Und so spielte – gegen seinen Willen – ein kleines, verlegenes Lächeln in seinen Mundwinkeln, als er – ebenfalls völlig ungewollt – antwortete: »Nun ja, ewig kann man sich ja nicht zu Hause vergraben. Stimmt’s?« Und lachte sogar noch ein ziemlich debiles »Hö, hö« hinterher.Spätestens dafür hätte er sich selbst ohrfeigen können.»Stimmt, Mann. Das is ziemlich chizz«, sagte der Hippie, zog sich einen Stuhl vom Nachbartisch heran und setzte sich Jonathan gegenüber. Prüfend sahen jenen zwei wässerige, wie es schien, fast farblose Äuglein an. »Oder wie würden Sie es denn nennen wollen, Jack?«Jonathan verspürte eine heftige Abneigung gegen diesen Kasper von einem Idioten, bemühte sich allerdings um einen neutralen Ton: »Nein, ich glaube, es ist wirklich ganz schön… Wie sagten Sie doch gleich so treffend?«»Chizz.«»Ja, chizz. Ich finde es verdammt chizz, mein Lieber.«»Sie können Sam zu mir sagen.«»Okay, Sam. Ich nenne Sie einfach Sam, wenn’s recht ist.«»Is’ recht, Jack.«»Wenn Sie wollen, können Sie mich einfach Jack nennen, Sam«»Geht klar, Jambo. Ich nenn’ Sie schon irgendwie.«»Oder so«, hörte er sich sagen – und hätte sich dafür schon wieder ohrfeigen können. Stattdessen aber fuhr er fort: »Kann ich Ihnen vielleicht etwas zu trinken…«»Ich nehm einen Shangrih La.«»Sam nimmt einen Shangrih La.«Mit großer Geste wollte er die Bestellung in die Tastatur tippen. Doch da kam es ganz ruhig von gegenüber: »Kein Stress, Baby. Is’ schon auf dem Weg.«Verständnislos schaute Jonathan den Hippie an.»Hab ich geordert, bevor ich zu Ihnen kam, Jack.«Jonathan sah im Geiste, wie der Typ die halbe Kneipe gekauft hatte, bevor er sich zu ihm gesetzt hatte. Und er sah vor allem, dass die Kneipe voll auf seiner, Jonathans, Rechnung stehen würde. Dennoch sah er sich dem Kerl auf die Schulter klopfen und begeistert rufen: »Sehr gut, mein Lieber. Sehr, sehr gut. Wirklich sehr gut gemacht.« Er war fassungslos, wie blöd ein Mensch sein konnte. Und noch fassungsloser war er darüber, dass er der Mensch war.Er sah, wie ein großes, bauchiges Glas mit bräunlich-grüner Flüssigkeit vor dem Hippie abgestellt wurde, in der auch mindestens fünf Eiswürfel schwammen. »Das ist also ein Shangrih La?«, hörte er sich fragen.Der Hippie nippte kurz daran und sagte: »Es is eigentlich Pfefferminzlikör mit Brandy aufgefüllt und einem Schuss Cherry-Cola. Ich hab dem Arsch gesagt, es sei Shangrih La. Das hat er mir so abgenommen. Seitdem verkauft er das hier.«

Was dich erwartet ...

Die ultimative ›Material World‹.

Ein kurzer Blick
hinter die Kulissen

Celebrities braucht keiner in echt. Denn Fake-Manager sorgen dafür, dass ihr Fake im TV echter rüberkommt, als sie es ja gekonnt hätten.

Die Welt am Vorabend der Apokalypse …

Spannung
90%
Action
80%
Handlung
80%
Humor
70%
Erotik
30%

Der Gedanke hinter
Das GINGER-Komplott

Udo Kübler | Featured Image | Startseite | Sci-Fi Autor und Storyteller Udo Kübler

»Was passiert, wenn du dein Leben nicht mehr selber kontrollierst?«

Spielt es eine Rolle, ob du selber gierig bist, wenn du längst ein Spielball äußerer Einflüsse geworden bist? In einer Welt, in der materielle Werte alles und Immaterielle nichts bedeuten, ist Idealismus endgültig zur Lachnummer verkommen. Oder etwa doch nicht?

Anders als in der realen Welt, in der man oft vergeblich darauf wartet, dass ein gütiger Gott Einsicht zeigt, ist ein Autor mitunter nicht gewillt, wirklich alles in die Tonne zu hauen …

Signatur | Jonathan Simpson | Udo Kübler

Udo Kübler – Sci-Fi Autor & Storyteller